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Leitfaden 

zur soziokratischen Wahl der Klassensprecher:innen

zur Stärkung von Youth Leadership & Demokratiekompetenz

4 x 2 Schulstunden

10-30
Schüler:innen

ab 14
Jahren

Einheit 1:

Vorbereitung

  • Einführung in die Soziokratie​​

  • Motivation und Ziele

  • Sprechen in Runden

Einheit 2:

Rollenbeschreibung

  • Rollenbeschreibung der Klassensprecherwahl

  • Rollenbeschreibung im Konsent verabschieden

Einheit 3: 

Wahl

  • Nominierungsbogen ausfüllen

  • Erste Runde Nominierung

  • Zweite Runde Nominierung

  • Konsent finden

Einheit 4: 

Reflexion

  • Über die Wahl reflektieren

Einheit 1: Vorbereitung

Einführung in die Soziokratie

Die Vorbereitungsphase dient dem Verständnis der Schüler:innen, warum die Wahl diesmal anders abläuft.

Wenn die Schüler:innen geübt sind, in Runden zu sprechen, wird dies den offenen Wahlprozess beschleunigen und ihm mehr Bedeutung verleihen.

Der erste Schritt ist das Kennenlernen der Prinzipien, Theorien sowie der grundlegenden Definitionen und Prozesse der Soziokratie als Vorbereitung für die Durchführung der soziokratischen Wahl im Unterricht.

nutze alternativ die Arbeitsblätter 1.1."Einführung in die Soziokratie" zum Ausdrucken aus dem Arbeitspaket.

Video "Was ist Soziokratie?"

Motivationen und Ziele

Besprich mit deinen Schüler:innen, warum die Wahl der Klassensprecher:innen in diesem Jahr anders sein wird und erhöhe damit ihre Motivation. Verknüpfe den Wahlprozess mit den für dich und deine Schüler:innen relevanten Lernzielen und Themen, z.B. Inklusion, Respekt, SDG´s (UN Nachhaltigkeitsziele: speziell 3, 5, 10 und 16).

 

Lade deine Schüler:innen mit dem ersten Arbeitsblatt ein, einige Fragen persönlich zu reflektieren. Ihre Gedanken werden sie im nächsten Schritt teilen.

nutze alternativ die Arbeitsblätter 1.2. "Motivation und Ziele - Basis & Vertiefung" zum Ausdrucken aus dem Arbeitspaket.

In Runden sprechen: Eine neue Kommunikationskultur initiieren

Video "Warum sprechen wir in Runden?"

nutze alternativ die Arbeitsblätter 1.3. "In Runden sprechen" zum Ausdrucken aus dem Arbeitspaket.

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In Runden sprechen: Eine neue Kommunikationskultur initiieren

Eine Runde ist ein strukturierter Kommunikationsprozess, bei dem jede Person die Möglichkeit hat, der Reihe nach zu sprechen. Mit dieser Redekultur wird sichergestellt, dass jede:r die gleiche Chance hat, seine eigenen Gedanken und Ideen zu äußern. Gesprächsrunden werden häufig in Gruppen eingesetzt, in denen Zusammenarbeit und Inklusivität wichtig sind.

[Ihr praktiziert das Sprechen in Runden oder Kreisen bereits, vielleicht im Morgenkreis oder im Klassenparlament? Prima - dann kannst du diese Erklärung überspringen und mit der nächsten Aktion beginnen.]

nutze alternativ die Arbeitsblätter 1.3. "In Runden sprechen" zum Ausdrucken aus dem Arbeitspaket.

Einheit 2: Rollenbeschreibung

Video "Was ist Konsent?"

Rollenbeschreibung der Klassensprecherwahl

Nun seid ihr eingestimmt und könnt mit dem ersten Schritt der soziokratischen Wahl beginnen: 

 

Die Schüler:innen diskutieren, welche Aufgaben das Klassensprecherteam haben sollte und welche Stärken und Kompetenzen ihrer Meinung nach für die Ausübung der Aufgaben erforderlich sind.

Die Rollenbeschreibung bietet eine gemeinsame Grundlage für die Wahl. Sie stellt sicher, dass alle in der Lage sind, fundierte Entscheidungen zu treffen, wenn es um die Wahl geht. Die Klasse definiert die Rollenbeschreibung gemeinsam in ihrem ersten Konsensbeschluss mit folgenden Schritten:

nutze alternativ die Arbeitsblätter 2.1. "Rollenbeschreibung" zum Ausdrucken aus dem Arbeitspaket.

Die Rollenbeschreibung im Konsent entscheiden

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  1. Die Kleingruppen stellen ihre Vorschläge in einer ersten Runde vor. Die Ergebnisse werden für alle sichtbar mitgeschrieben. Es wird nichts doppelt aufgeschrieben. Unterdrücke an dieser Stelle Einwände. Alle werden in den nächsten Schritten zu ihrer Reaktion und Zustimmung gehört.
     

  2. In einer zweiten Runde werden die Kleingruppen der Reihe nach gefragt, ob diesem Vorschlag noch etwas hinzugefügt oder gestrichen werden soll.
     

  3. Als Lehrkraft ist dies höchstwahrscheinlich der einzige Moment, an dem du dich am Entscheidungsprozess beteiligst. Je nachdem, ob ihr eine schulübergreifende Rollenbeschreibung für Klassensprecher:innen oder spezielle Aufgaben habt, z. B. Teilnahme am Schulparlament, fügst du diese Aufgaben - falls sie nicht schon genannt wurden - hinzu. Als Lehrkraft bist du das Bindeglied zu allen anderen Lehrpersonen, der Schulleitung und der Schule.

  4. Frage nun in der Konsent-Runde jede:n einzelnen im Kreis, ob es Einwände gegen oder einen Konsent für die Rollenbeschreibung gibt, so wie sie nun da steht.

    Mögliche Antworten sind
    Ich habe keine Einwände, ich stimme dieser Rollenbeschreibung zu.
    Ich habe einen Einwand und sehe einen Grund, warum der Vorschlag nicht gut genug und nicht sicher genug ist, um ihn auszuprobieren.

    Alternativ zur verbalen Formulierung der Antwort in Runden können die Schüler:innen auch alle gleichzeitig Handzeichen geben. Das nimmt weniger Zeit in Anspruch.
    ❏ Eine Hand auf dem Herzen: kein Einwand, Zustimmung
    Zwei Hände nach vorne: Einspruch (und damit mehr Information) und keine Zustimmung
     

  5. Bitte Schüler:innen, die einen Einwand haben, ihre Bedenken zu formulieren und hilf ihnen, eine bessere Lösung vorzuschlagen.
     

  6. Ändert oder ergänzt die Rollenbeschreibung so lange, bis alle keinen Einwand im Sinne des gemeinsamen Zieles haben und sich für den Vorschlag mitverantwortlich fühlen.
     

  7. Du als Lehrkraft gibst als Delegierte der anderen Lehrpersonen und der Schulleitung auch deinen Konsent zur Rollenbeschreibung - oder fügst notwendige Aufgaben hinzu.
     

  8. Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt nun eine gute Grundlage für die Wahl der Klassensprecher:innen geschaffen! Jetzt wissen alle, welche Aufgaben die Rolle tatsächlich umfasst und welche Fähigkeiten dafür erforderlich sind.

Konsent bedeutet...

dass das Gruppenziel über den persönlichen Vorlieben steht. Konsent bedeutet auch, dass der Vorschlag gut genug für jetzt und sicher genug ist. Es ist nicht wichtig, die perfekte Lösung zu suchen. Perfekte Lösungen oder den Konsens zu finden, dauert mit einer Gruppe meist sehr lange. In einer sich schnell verändernden Welt müssen wir in der Lage sein, beweglich statt perfekt zu sein. Eine Rollenbeschreibung, die gut genug und sicher genug für ein Schuljahr ist, ist somit völlig akzeptabel.

Einwände sind...

in der soziokratischen Denkweise wie Geschenke. Sie geben Aufschluss darüber, dass dem Vorschlag etwas Wichtiges fehlt. Wenn wir Bedenken teilen, teilen wir unsere Erfahrungen und Sichtweisen zu einem Thema. Es ist wertvoll, ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, um gute Entscheidungen treffen zu können

Vorbereitung der nächsten Einheit

  • Gib den Schüler:innen etwas Zeit zwischen der Erarbeitung der Rollenbeschreibung und dem nächsten Schritt der Nominierung. Erfahrungsgemäß ist ein Zeitrahmen von maximal einer Woche und mindestens einer Nacht zum “drüber Schlafen” sinnvoll.

  • Lade die Schüler:innen ein, ihre Meinungen, wer als Klassensprecher:in gut geeignet wäre, nicht miteinander zu diskutieren. Sie sollten sich auch nicht gegenseitig bitten, gewählt zu werden, sondern selbst zu überlegen, wer am besten zur Rollenbeschreibung passt.

Einheit 3: Soziokratische Wahl

Den Nominierungszettel schreiben - offen und ehrlich

Wenn die Rollenbeschreibung festgelegt und vereinbart ist, kann die Nominierung beginnen. Die Rollenbeschreibung wird für alle sichtbar präsentiert oder ausgedruckt. Sie stellt das gemeinsam formulierte Ziel dar und bietet damit eine wichtige Orientierung.

nutze alternativ die Arbeitsblätter 3.1. & 3.2. "Nominierung" zum Ausdrucken aus dem Arbeitspaket.

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  1. Jede:r Schüler:in erhält einen Nominierungszettel. Das kann auch eine Hausaufgabe sein. 
     

  2. Auf dem Blatt notieren die Schüler:innen ihren eigenen Namen, den Namen des/der Kandidat:in und welche Fähigkeiten diese:r als Klassensprecher:in mitbringt. Es sollen Beispiele genannt werden, wie oder in welchen Situationen diese Fähigkeiten in der Vergangenheit erlebt wurden.

Die erste Nominierungsrunde: Argumente hören

Die Nominierungsformulare werden - anders als bei der geheimen Wahl - nicht gesammelt. Jede:r Schüler:in wird einzeln gefragt, wen sie:er nominiert und warum. Sie werden gebeten, in dieser Runde bei ihrer eigenen Nominierung zu bleiben, auch wenn sich ihre Meinung ändert, wenn sie die anderen hören.

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