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Glossar

Hier findest du eine Beschreibung der wichtigsten Begriffe und Prinzipien.

Co-Kreation

Co-Kreation bedeutet: miteinander kreieren. Das Sprichwort “1+1 ist mehr wie 2” beschreibt Co-Kreation sehr gut. In einer co-kreativen Zusammenarbeit gibt es keine fixen Vorstellungen, wie etwas sein soll. Es geht darum, gemeinsam auf Fragen, Sichtweisen und Ideen zu kommen, auf die man alleine gar nicht kommen kann. Die Weisheit und Kreativität der vielen öffnet neue Perspektiven. Damit eine Gruppe gut in diesen Zustand der Co-Kreation gelangt sind vor allem 3 Dinge wichtig: 
 

  1. Sei dir selbst ein guter Gastgeber und sorge gut für dich. Das heißt z.B. wenn du dich kurz ausklinkst, weil du eine Pause brauchst, ist das wichtig und hilfreich für den Gesamtprozess. 

  2. Sei ein guter Gast und nimm aktiv teil. Das heißt, dass du dich gut führen lässt und dich konstruktiv einbringst.

  3. Sei ein guter Gastgeber für andere. Es braucht immer wieder jemanden, der die Gastgeberschaft übernimmt, z.B. für eine gute Raumatmosphäre und für das Wohlbefinden der “Gäste” sorgt. Oder auch die Gruppe durch einen Prozess moderiert und führt.
     

Wenn es einer Gruppe gelingt, diese 3 Aspekte nicht starr, sondern in guter Abwechslung zu leben, entsteht Neues. Im Miteinander kreieren ist niemand nur Teilnehmer oder Leitung.

Kollaboration

Kollaboration ist der Prozess des gemeinsamen Schaffens. Menschen interagieren, um ein gemeinsames Gesamtergebnis zu erreichen. Wichtig für Kollaboration sind die Bereitschaft aller Beteiligten, einen gemeinsamen Prozess eingehen zu wollen, und die Haltung, dass diese Art der Zusammenarbeit effektiv und effizient sein kann. 

Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen, z.B. im fächerübergreifenden Unterricht, erweitert den Raum der Möglichkeiten ungemein. Wo Kollaboration statt Konkurrenz gelebt wird, entstehen innovative Lösungen, die eine Disziplin alleine niemals zustande bringen würde.

Historisch betrachtet, ist der Begriff Kollaboration negativ besetzt und beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Feinden. Wie passt das nun mit der neuzeitigen Definition von Kollaboration des gemeinsamen Schaffens zusammen? Wir alle kennen unsere Feinde. Ob wir nun im Inneren mit uns selbst kämpfen oder ob es Personen sind, mit denen wir nicht gerne zusammenarbeiten. Es ist die Königsdisziplin, mit inneren Anteilen oder Menschen, die nicht unsere besten Freunde sind, ein gemeinsames Ziel erreichen zu wollen. Hier, außerhalb unserer Komfortzone, steckt das revolutionäre Potenzial, um uns zu entwickeln, zu lernen und zu staunen. 

Kollaborative Entscheidungsfindung

  • Die kollaborative Entscheidungsfindung ist ein Prozess, bei dem alle Mitglieder einer Gruppe oder eines Teams aktiv mitwirken und ihren Beitrag zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels leisten. 

  • Ziel ist es, durch offene Kommunikation, gegenseitigen Respekt und gemeinsame Verantwortung eine gemeinsame Entscheidung zu treffen. Dieser Ansatz fördert unterschiedliche Perspektiven und Ideen und führt zu besseren Ergebnissen bei der Entscheidungsfindung, die umfassender und effektiver sind. 

  • Die kollaborative Entscheidungsfindung wird häufig in komplexen Situationen angewandt, an denen mehrere Interessengruppen beteiligt sind ,und in denen die Zustimmung und das Engagement aller Parteien erforderlich sind. Insgesamt ist sie ein wirksames Instrument, um Vertrauen aufzubauen, die Teamarbeit zu fördern und gemeinsame Ziele zu erreichen.

Konsententscheidung

Konsent bedeutet "Gut genug für jetzt. Sicher genug, um es zu versuchen. Der Vorschlag bringt uns unserem gemeinsamen Ziel näher.”

Eine Konsententscheidung…

  • ist ein Entscheidungsprozess, bei dem keiner einen Einwand gegen einen Vorschlag hat. Es ist ein kooperativer Ansatz, der sicherstellt, dass die Meinungen und Bedenken aller Beteiligten berücksichtigt werden, bevor eine Entscheidung getroffen wird. 

  • wird häufig in Organisationen und Gruppen getroffen, in denen eine kollektive Entscheidungsfindung erforderlich ist. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die getroffene Entscheidung für alle Beteiligten akzeptabel ist. 

  • kann zu effektiveren und effizienteren Entscheidungsprozessen führen, da die Mitverantwortung aus der Mitbestimmung erwächst.

  • ist nur für eine bestimmte Zeit gültig - gut genug für diese Zeit. Konsensentscheidungsprozesse dauern in der Regel sehr lange. Außerdem gibt es in einer sich schnell verändernden Welt kaum perfekte Lösungen - zumindest nicht für lange Zeit. 

  • basiert auf dem kontinuierlichen Feedback-Prozess "Entscheiden+Umsetzen+Evaluieren": Nach jeder Phase der Umsetzung bewertet die Gruppe das Ergebnis, um festzustellen, ob die Vorgehensweise verbessert werden kann, um das gemeinsame Ziel schneller und effektiver zu erreichen.

Zustimmung vs. Mehrheitsentscheidung – einfaches Beispiel

 

Soziokratische Entscheidungen werden nicht durch Mehrheitsentscheidungen getroffen, sondern nach dem "Kein-Einwand-Prinzip" (auch Konsent). Das bedeutet, dass alle Beteiligten gleichermaßen gehört und Einwände in die Entscheidungen einbezogen werden. Im Gegensatz zu demokratischen Wahlen kann bei soziokratischen Wahlen niemand überstimmt werden. Anhand dieses Beispiels kannst du deinen Schüler:innen den Unterschied zwischen Zustimmungs- und Mehrheitswahl leicht erklären:

"In einer Schule müssen die Wände in den Klassenzimmern neu gestrichen werden. Der Schülerrat wird gefragt, welche Farbe er dafür verwenden soll. Es kann zwischen den Farben Rot und Gelb gewählt werden. Bei einer Mehrheitsabstimmung stimmen zum Beispiel 10 Kinder für Rot und 3 Kinder für Gelb. Die Wände würden dann also rot gestrichen werden.

Wenn dieser Entscheidungsprozess einvernehmlich stattfinden würde, müsste man zunächst einmal festlegen, was das Ziel der Entscheidung ist. Zum Beispiel, dass die neue Farbe das Lernen unterstützt. Ein Kind könnte gegen Grün argumentieren, dass die Farbe Rot die Eigenschaft hat, zu aktivieren, aber auch mit Wut und Aggression assoziiert werden kann. Die Farbe Gelb hingegen hat die Eigenschaft, die Konzentration zu fördern. Mit diesem gut begründeten Argument würde der Vorschlag auf Gelb fallen. Das macht für alle Sinn, auch wenn sie persönlich die Farbe Rot mögen."

Die Schülerinnen und Schüler wissen nun, dass ein gemeinsames Ziel ihnen hilft, gute Entscheidungen zu treffen und herauszufinden, wozu sie Zustimmung oder Ablehnung haben.

Partizipatives Leadership

Partizipative Führung ist ein Führungsstil, der Zusammenarbeit und Einbeziehung in den Vordergrund stellt. Es geht darum, alle Mitglieder einer Gruppe oder Organisation aktiv in den Entscheidungsprozess einzubeziehen, anstatt sich ausschließlich auf die Entscheidungen der Führungskraft zu verlassen. Es ist wichtig zu verstehen, dass auch die Führungskraft eine gleichberechtigte Stimme im Entscheidungsfindungsprozess hat und ihre Einwände vorbringen muss! 

Bei diesem Ansatz werden die Beiträge und Perspektiven aller Beteiligten geschätzt, und es wird versucht, ein Gefühl der Eigenverantwortung und der Beteiligung an den Zielen und Ergebnissen der Gruppe zu schaffen. Partizipative Führung kann zu mehr Kreativität, Innovation und Engagement unter den Teammitgliedern sowie zu einer Verbesserung der Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten führen.

Runden - Sprechen im Kreis

 

  • Eine Gesprächsrunde ist ein strukturierter Kommunikationsprozess, bei dem jede Person die Möglichkeit hat, der Reihe nach zu sprechen. Es ist eine Technik, die in Gruppendiskussionen oder Sitzungen eingesetzt wird, um sicherzustellen, dass jeder die gleiche Chance hat, seine Gedanken und Ideen zu äußern. Die Runde beginnt in der Regel mit einer Person, die spricht, und geht dann im oder gegen den Uhrzeigersinn durch die Gruppe. Dieser Prozess wird so lange fortgesetzt, bis alle Teilnehmer zu Wort gekommen sind oder bis die für die Runde vorgesehene Zeit abgelaufen ist. Gesprächsrunden werden häufig in Umgebungen eingesetzt, in denen Zusammenarbeit und Inklusivität groß geschrieben werden.

  • Runden bilden die Grundlage der Soziokratie und sind sehr wirkungsvoll. Eine gute Moderation ist notwendig, um neue positive Erfahrungen der Kommunikation und Beteiligung zu schaffen.

  • Es entspannt den Geist, wenn jeder weiß, wann er an der Reihe ist, denn wir müssen nicht den Mut haben, in die ganze Gruppe zu rufen oder die ganze Gruppe im Blick haben, wenn jemand etwas sagt. 

  • Erwarte nicht, dass sich jeder sofort an dem Kreisprozess beteiligt. Es braucht Zeit, bis eine Gruppe die psychologische Sicherheit entwickelt hat, dass jeder im Kreis etwas sagen kann.

Soziokratie

 

Soziokratie lässt sich am besten mit "gemeinsam regieren" übersetzen. Es handelt sich um eine Denkweise, eine Organisation und eine Führungsmethode zur Verteilung von Macht und zur gemeinsamen Entscheidungsfindung. Sie stützt sich auf die Werte Transparenz und Inklusivität. Mit den soziokratischen Grundsätzen steigen Verantwortlichkeit, kontinuierliches Lernen, Mitgestaltung, Effektivität und Produktivität in Gruppen. Die Soziokratie kann von jeder Gruppe, Schule und Organisation angewandt werden, die davon überzeugt ist, dass Vielfalt eine große Chance ist, komplexe Probleme gemeinsam zu lösen. 

Der Entwickler der soziokratischen Kreismethode, Gerard Endenburg, besuchte in den Niederlanden eine Schule, die während des Zweiten Weltkriegs von den Pazifisten und Pädagogen Kees Boeke und Beatrice Cadbury Boeke gegründet wurde. In der “Werkplaats Community School” regelten Schüler:innen und Lehrkräfte ihre Angelegenheiten gleichberechtigt. Gerard Endenburg nutzte sein Ingenieurwissen und seine Sehnsucht nach Frieden, um die Konsentmethode zu entwickeln, die effizienter als Konsensentscheidung und Basisdemokratie ist, aber ebenso integrativ.

Youth Leadership

 

  • Youth Leadership bezieht sich auf den Prozess der Befähigung junger Menschen, ihre Führungsqualitäten und -fähigkeiten zu entwickeln und zu verbessern. Es geht darum, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen und Führungsaufgaben in verschiedenen Kontexten wie Schulen, Gemeinden und Organisationen zu übernehmen. 
     

  • Youth Leadership zielt darauf ab, bei jungen Menschen Verantwortungsbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbsterkenntnis zu kultivieren und gleichzeitig einen positiven sozialen Wandel zu fördern. Sie ist ein entscheidender Aspekt der Jugendentwicklung, da sie junge Menschen darauf vorbereitet, effektive Führungskräfte und aktive Bürger in ihren Gemeinschaften zu werden. Letztlich geht es bei Youth Leadership darum, junge Menschen zu befähigen, die Welt um sie herum positiv zu beeinflussen.
     

  • Die Vermittlung von Fähigkeiten und Methoden, die eine neue Art der Zusammenarbeit ermöglichen, stärkt die Führungsqualitäten junger Menschen.

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